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frings. Das Misereor-Magazin 1/2023: Wofür es sich zu kämpfen lohnt.

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Wofür es sich zu kämpfen lohnt: Ein Heft über Demokratie und Menschenrechte. www.misereor.de/magazin

BILDBAND Timothy Snyders

BILDBAND Timothy Snyders Brandschrift „Über Tyrannei“ ist 2017 erschienen, aber wird heute schon als ein Klassiker in der Tradition von Hannah Arendt und George Orwell bezeichnet. Mele Brink hat sich mit der Frage beschäftigt, ob die neue, illustrierte Ausgabe einen Mehrwert hat. 42 EINS2023 Nora Krug hat On Tyranny (2017) von Timothy Snyder bebildert. Nein, nicht nur bebildert, sie hat aus Text und Bildern ein ganz neues Medium gemacht. Die 20 Lektionen „im Sinne einer wehrhaften Demokratie“ erhalten mit ihren Illustrationen und ihrer Seitengestaltung eine ganz neue Dimension und sprechen mit dieser Gestaltung sicherlich noch eine viel größere und vielleicht auch eine jüngere Zielgruppe an. Der Grundgedanke, aus genauer Beobachtung der Geschichte, insbesondere der Entwicklung oder auch dem Scheitern von Demokratien Ende des 19. bis Anfang des 21. Jahrhunderts, Lehren für heutige Demokratien abzuleiten, hat ein farbiges, aber nicht buntes Kleid bekommen. Nora Krug arbeitet mit Skizzen, Fotos, Schrift, Collagen, gefundenen Grafiken und Fotos vom Flohmarkt. Auf farbigen Hintergründen komponiert sie jede Seite (gelegentlich auch Doppelseiten) zu einem eigenständigen Bild. Ihre Arbeitsweise wird schon mal als assoziativ und intuitiv bezeichnet. In ihren Collagen wird skizziert, radiert und wieder verworfen, bis sich die fertige Seite wie bei einer Skulptur herausschält. Die Spuren des Prozesses werden dabei nicht komplett entfernt, so wie die Spuren der Geschichte, die nicht vertuscht werden sollten. Sie versucht damit für den Betrachter, die Betrachterin, einen persönlichen Bezug zur Vergangenheit zu schaffen und hat dabei vor allen Dingen auch die Mitläufer*innen im Blick, die wir zwischen Widerstandskämpfer*innen, Opfern und Übeltäter*innen oft aus Selbigem verlieren. Die Aussagen des Textes, die immer wieder auf Begebenheiten verweisen, die den Problemen unserer heutigen Demokratien ähneln, bekommen durch ihre Gestaltung eine noch größere Direktheit und Dringlichkeit. Mit Personen und Situationen, die sie zeichnet, Sätzen, die sie in die Collagen klebt, Lebensläufen, die sie als Comic erzählt oder auch dem Text, den sie in unterschiedlichen Farben setzt, schafft sie Akzente, gibt dem in 20 Kapiteln unterteilten Text einen weiteren Rhythmus. Beim Lesen schafft sie so Räume, um die Informationen sacken zu lassen, spricht über die Bilder noch eine unmittelbarere Ebene an als der Text. So unterschiedlich die eingesetzten Mittel sind – Rahmen, Fotos im Anschnitt, geklebtes Papier, Fotos mit Rahmen – ihr ist das ÜBER TYRANNEI Zwanzig Lektionen für den Widerstand Thimothy Snyder Illustriert von Nora Krug Verlag C. H. Beck, 2021 128 Seiten, 20,– Euro Kunststück geglückt, daraus ein durchgängig gestaltetes Buch zu machen.

Abbildungen aus dem besprochenen Bildband, © Verlag C. H. Beck EINS2023 43

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